Anna Mandel


Vocals


Das Medium, in dem Anna Mandel ihre Skulpturen baut, hat sich gewandelt. Als Sängerin, die aus der Bildhauerei kommt,
fiel ihr eines Tages auf, dass sie ihre Skulpturen singt, wenn sie improvisiert. Als Sängerin, die Synästhetikerin ist, sieht sie, was sie singt, und sie sieht vor allem auch das, was sie von ihren Mitmusikern hört. Mit diesem Gesehenen arbeitet sie in der Improvisation. Mit dem Körper der Stimme und ihren Rändern, mit Oberflächenstrukturen, haptischen Empfindungen, intensiven Farbformen und dreidimensionalen Konstruktionen.

Die Stimme ist für sich Werkzeug und Material, um die optischen Erscheinungen zu bändigen. Ein für jeden Synästhetiker selbstverständlicher Vorgang, einfach eine andere Art System, sich musikalisch zu bewegen und zu orientieren, zu kommunizieren.

Für die Zuhörer entsteht das verblüffende Phänomen, dass sie sich, solange sie nicht abgelenkt werden durch Wortbedeutungen, im Hören ihre eigenen Räume und farbigen Gebilde bauen.

Musik wird sichtbar, innere Bilder hörbar.


Konzerttätigkeit in unterschiedlichen Formationen. Performances mit der bildenden Künstlerin Josephine Bonnet.

 

 

aktuelle Ensembles


Duo Mandel/Krennerich

Anna Mandel, Vocals
Andreas Krennerich, Sopranino-, Sopran- und Baritonsaxophon

 

Anna Mandel, Vocals und Andreas Krennerich, Sopranino, Sopran- und Baritonsaxophon, bewegen sich auf ungewöhnlich freie Weise im Raum der technischen und expressiven Möglichkeiten ihrer jeweiligen Instrumente. In der Improvisation vervielfältigen sie sie, brechen sie aus ihrer Mitte heraus auf und führen sie an ihre Ränder und darüber hinaus. Von der subtilen Miniatur, die in sich verschwindet und versickert in Geräusch und Atem, bis hin zur dramatischen Geste, zischender Schlangengrube, virtuos geschichteter Multiphonics und Sirenen, dem Lärmen der modernen Seele. Und dennoch dem Melos beständig Raum gebend.

Beide Musiker schöpfen dabei aus ihrer Erfahrung mit der frühen Moderne und den avantgardistischen Strömungen der letzten Jahrzehnte.

In ruhigen, satten Atembögen kommen die Stimmen aufeinander zu, eine Art Gespräch entspinnt sich, präziser, vielschichtiger und sich öffnender, als es in Wortbedeutungen möglich wäre.
Die Form des musikalischen Dialogs wird von jeglichem Ballast und überstülpten Ideen befreit, im Hören fokussiert und verdichtet.

Die strukturale Auffassung der Improvisation zeigt sich besonders auch in der Zusammenarbeit mit anderen Kunstformen, wie in den gemeinsamen Performances mit der bildenden Künstlerin Josephine Bonnet. Hier wird der Klang des Duos als bewegte Zeichnung sichtbar in den realen Raum erweitert. Die Musiker improvisieren frei, ohne jede Vorgabe. Kein Text, keine Melodien, keine Stücke. Völlig frei im sich Einlassen auf das andere Instrument, die Möglichkeiten des Eigenen und die Künstlerin im Raum. Frei für das, was geschieht, im Moment. Klang und Bewegung, Gestus und Geräusch, Gehörtes und Gesehenes verweben sich zu einer neuen Form: begehbare Musik, hörbare Zeichnung.

 

Duo Mandel/Levine


Anna Mandel, Vocals
Andrew Levine, Theremin


Das Duo tritt seit 2010 mit freien Improvisationen auf, die aus der Begegnung zwischen synästhetisch inspirierter Stimme und gesanglich gespieltem Theremin entstanden sind.
Das Theremin, das ohne Berührung gespielte Instrument, ist idealer Gegenpart zur Stimme, die mit ihrer Färbung, Haptik und Gestik räumliche Gebilde aus purem Klang baut.
Im musikalischen Prozess nähern sich menschliche Stimme und elektromagnetisches Feld des Theremins einander an, springen auf einem Atembogen hin und her, überkreuzen ihre ureigenen Räume, gewinnen durch die Imitation Modulationen und Register hinzu, werden ununterscheidbar.

Die Räume, die dadurch entstehen, verändern das Hören.

>>> engl. version  The duo Mandel/Levine came into existence in 2010 and performs free improvisations, more or less closely based on synaesthetic impulses from Anna Mandel's sculptural work. Anna Mandelher sculptures. The voice becomes the tool and the material to be shaped. Optical and haptical images become tonality.These impulses are picked up by the thereminist Andrew Levine and developed in a musical fashion.
The Theremin, an instrument that is played without physical touch, is the ideal counterpart to the voice that creates a spacial figure of the synaesthetic impulses through colour and movement.Voice and Theremin create a sonic web of indistinguishable threads. Music is made visible, the visible becomes audible.


 

Trio Mandel/Krennerich/Levine


Anna Mandel, Vocals
Andreas Krennerich, Sopranino-, Sopran- und Baritonsaxophon
Andrew Levine, Theremin


Das Trio improvisiert im freien Raum aus Atem und elektromagnetischer Schwingung.
Die einzelnen Instrumente wagen sich weit in die Bereiche der anderen hinein, wandeln sich ihnen an. Die Mittel der Tonerzeugung verwirbeln sich bis zur Auflösung ihrer ursprünglichen Identität. Das Theremin mutiert zur Stimme, die Multiphonics des Saxophons schwirren wie die Oszillatoren des Theremins, die Stimme schrägt sich mit Schwebetönen dazwischen, liefert Knack- und Klappengeräusche, Knarzen und Pfeifregister.
Erst die freie Improvisation ermöglicht dieses Um- und Anverwandeln, weil ohne Vorgaben im Moment des Hörens
auf den anderen eingegangen werden kann, in Sekundenbruchteilen, die sich anfühlen wie das sich selbst realisierende
Hier und Jetzt.

Ein einziger Klang entsteht, in sich ausdifferenziert aus den Stimmen dreier Musiker.